Sozialbestattung – Die Bestattungsvariante bei keinem oder wenig Geld

In Deutschland kosten Beisetzungen normalerweise mehrere tausend Euro. In der Praxis werden Sie mit Summen zwischen 3.000 Euro bis 5.000 Euro rechnen müssen. Ein finanzielles Risiko für Hinterbliebene. Besonders in finanziell bereits angespannter Lage sind Bestattungskosten, die beispielsweise Städte wie Hamburg oder Freiburg und Dresden über Gebührenverzeichnisse erheben, nicht zu stemmen. Aufgrund des Friedhofszwangs muss trotzdem eine Beisetzung auf Friedhöfen erfolgen – im Rahmen einer Sozialbestattung. 
Sozialbestattung

Sozialbestattung – Welche Voraussetzungen müssen vorhanden sein
 

Der Begriff Sozialbestattung wird in Deutschland verwendet, wenn eine Übernahme der Beerdigungskosten – basierend auf § 74 SGB XII – stattfindet. Eine solche Kostenübernahme ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Zu den Voraussetzungen gehört, dass Hinterbliebene oder vertraglich Verpflichtete nicht zur Kostentragung in der Lage sind. Sprich: Sind die Kosten für die Beisetzung nicht aus dem Erbe oder den Eigenmitteln zu decken, ist die Sozialbestattung möglich.
 
Diese Regelung gilt allerdings nicht für den Fall, dass sich Kostenträger (Hinterbliebene oder vertraglich Verpflichtete) ermitteln lassen. In diesem Fall wird eine ordnungsbehördliche Bestattung (auch als Bestattung von Amts wegen) durchgeführt.
 
Sozialbestattungen müssen in Deutschland bei den zuständigen Sozialämtern beantragt werden. Grundsätzlich gibt es kein besonderes Formerfordernis. Allerdings ist die Nutzung der von Sozialämtern zur Verfügung gestellten Formulare anzuraten. Im Rahmen der Antragstellung wird durch das Sozialamt überprüft, ob eine Kostenübernahme durch die öffentliche Hand zulässig ist – im Rahmen einer Einkommensprüfung.
 
Hierbei sind §§ 85 ff SGB XII ausschlaggebend. Grundsätzlich lässt sich keine pauschale Einkommens- und Vermögensgrenze angeben. Die Berechnung nach dem Sozialgesetzbuch berücksichtigt nicht nur die Einkommenssituation. In die Bewertung fließen unter anderem:
 
  • Familiensituation/Unterhaltspflichten
  • Verbindlichkeiten usw.
ein.

Hinweis: Eine Sozialbestattung kann nicht nur beantragt werden, wenn bereits Bedürftigkeit besteht. Auch für den Fall, dass durch die Übernahme der Beisetzungskosten erst Bedürftigkeit entsteht, kann der Antrag in Erwägung gezogen werden.
 

Dokumentation vom WDR "Verarmt, verstorben, verscharrt - Wenn der Tod zu teuer ist"
 


Wie beantragt man eine Sozialbestattung
 

Grundsätzlich kann die Kostenübernahme durch das Sozialamt nur gewährt werden, wenn ein Antrag gestellt wird. Zwar ist die Antragstellung im Grundsatz nicht an ein Formularerfordernis gebunden – kann theoretisch also auch formlos erfolgen. Allerdings ist es für die Bearbeitung zielführend, Formulare der zuständigen Sozialämter zu verwenden.
 
Diese Formulare sind insoweit vorbereitet, dass oftmals bereits die Postanschrift der zuständigen Behörde angebracht ist. Außerdem erfassen die Vordrucke alle Angaben, welche für die Antragsbearbeitung erforderlich sind.
 
Im Kern geht es um die Prüfung der Erbmasse sowie der finanziellen Verhältnisse der Hinterbliebenen. Erfasst werden dabei nicht nur Vermögen wie Immobilien oder Barmittel, welche der Verstorbene hinterlassen hat. Hinterbliebene bzw. die zur Kostenübernahme vertraglich Verpflichteten müssen im Antrag die eigenen finanziellen Verhältnisse offenlegen. Hierzu gehören Einkommen, aufgeschlüsselt nach:
 
  • Erwerbseinkommen
  • ALG I und ALG II
  • BAföG
  • Erziehungsgeld
  • Vermietung und Kapitaleinkommen.
Aber auch die Angabe von Unterhaltspflichten sowie Verbindlichkeiten aus Miet- und Schuldzahlungen werden im Antrag berücksichtigt. Hinsichtlich des Zeitpunkts gibt es keine genaue Fristvorgabe. Ein Antrag kann sowohl vor der Bestattung als auch nach der Bestattung gestellt werden. Allerdings wird eine Antragstellung vor Beauftragung des Bestattungsunternehmens für mehr Sicherheit sorgen.
 

Wichtige Unterlagen bei einer Sozialbestattung
 

Die Erstattung von Beerdigungskosten im Rahmen einer Sozialbestattung setzt die Antragstellung voraus. Als Betroffene müssen Sie glaubhaft machen, dass die Angaben korrekt sind. In der Trauerphase keine leichte Aufgabe. Sozialämter müssen den Antrag aber detailliert prüfen können. Zu den nötigen Unterlagen gehören vom Verstorbenen:
 
  • Sterbeurkunde
  • Kopien zu Sparguthaben und Kontoauszüge
  • Nachweise zu Versicherungsleistungen
  • Bewertung/Aufstellung Nachlass.

Als Hinterbliebene müssen Sie:

 
  • Nachweise zum aktuellen Einkommen
  • Kopien der Kontoauszüge (im Regelfall 3 Monate)
  • Einkommensnachweise zum Ehe-/Lebenspartner
  • Mietbescheinigungen
  • Nachweise über Verbindlichkeiten und Unterhaltspflichten
  • Nachweise über Versicherungen
vorlegen. Sozialämter können Anträge auf Bestattungskostenübernahme nur abschließend bearbeiten, wenn die Unterlagen vollständig eingereicht werden.
 

Wie ist der Ablauf bei einer Sozialbestattung
 

Sozialbestattungen laufen grundsätzlich wie jede Beisetzung ab. Die Annahme, hier mit einer Feuerbestattung und einem anonymen Grab „abgespeist“ zu werden, ist falsch. Sozialbestattung bezieht sich einzig auf die Kostenerstattung der erforderlichen und angemessenen Aufwendungen. Dies schließt weder ein Wahlrecht zwischen Feuer- oder Erdbestattung aus noch den Grabstein. Prinzipiell folgen die zuständigen Ämter dem Grundsatz, dass die Beisetzung einfach gehalten ist – aber dennoch in Würde geschieht.
 
Bedeutet im Endeffekt: Eine Sozialbestattung erfolgt als Urnen- oder Sargbeisetzung. Der Ablauf entspricht dem bekannten Muster. Es werden zum Beispiel Kosten ersetzt für:
 
  • Waschen und Einkleiden
  • Einsargen
  • Sarg
  • Sargträger
  • Grabgebühren
  • Grabstein oder Grabplatte bzw. Grabkreuz.
Nicht Bestandteil der Bestattung sind Leichenschmaus, Trauerkleidung, Kosten der fortlaufenden Grabpflege oder eventuell anfallende Reisekosten.
 
Übrigens: Sofern die Kosten einer alternativen Bestattungsform ortsüblich und für eine würdevolle Bestattung angemessen sind, können diese unter Umständen ebenfalls über die Sozialbestattung übernommen werden.
 

Sozialbestattung vs. einer „normalen“ Erd- oder Feuerbestattung
 

Grundsätzlich ist die Sozialbestattung keine spezielle Beisetzungsform, sondern bezieht sich lediglich auf die Frage, wer in welcher Form die Kosten übernimmt. Demzufolge gibt es zwischen einfachen Sarg- oder Feuerbestattungen und der Sozialbestattung keinen Unterschied.
 
Klar muss sein, dass Sozialbestattungen in vielerlei Hinsicht sehr enge Rahmenbedingungen bedeuten. Dies ergibt sich einerseits aus der Tatsache, dass verschiedene Bereiche keine Berücksichtigung finden – wie der Leichenschmaus. Auf der anderen Seite ist der Angemessenheitsbegriff nicht abschließend definiert. Während Sie im Rahmen einer Sarg- oder Feuerbestattung, die aus dem Nachlass oder einer Sterbegeldversicherung finanziert wird, sehr frei und unabhängig Abschied nehmen, sind Sozialbestattungen Grenzen gesetzt.
 
Hinweis: Sofern ein Antrag auf Sozialbestattung gestellt wurde oder gestellt wird, sollte dieses Thema auch gegenüber dem Bestatter angesprochen werden. Gerade Unternehmen mit langjähriger Erfahrung haben ein Gespür dafür, in welchem Rahmen Beisetzungen als angemessen anerkannt werden.
 

Fragen und Antworten

Häufige Fragen zur Sozialbestattung

Fragenkatalog:
  1. Was darf eine Sozialbestattung kosten?
  2. Was beinhaltet eine Sozialbestattung?
  3. Wer hat Anspruch auf eine Sozialbestattung?
  4. Wer kann eine Sozialbestattung beantragen?
Antworten:
  1. Was darf eine Sozialbestattung kosten?

    Die Kosten sind nicht pauschal festgelegt. Generell wird auf eine würdevolle Beisetzung abgezielt, deren Kosten angemessen sind. Diese Angemessenheit unterliegt regional unterschiedlichen Definitionen. Eine Sozialbestattung kann in München daher vielleicht mehr kosten als in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Für nähere Informationen ist der Kontakt in die zuständigen Sozialämter ratsam. Beispiel Dresden: In den vergangenen Jahren lagen die durchschnittlichen Kostenerstattungen zwischen 1.600 Euro bis 1.750 Euro.

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  2. Was beinhaltet eine Sozialbestattung?

    Sozialbestattungen decken die eigentlichen Bestattungskosten im engeren Sinn. Hierzu gehören die Vorbereitung des Leichnams auf die Beisetzung, der Sarg sowie Sargträger, einfacher Blumenschmuck und einfach ausgeführte Grabmale. Nicht Teil der Kostenübernahme sind Leichenschmaus oder Reisekosten sowie die dauerhafte Pflege des Grabes.

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  3. Wer hat Anspruch auf eine Sozialbestattung?

    Grundsätzlich setzt der Anspruch voraus, dass weder aus dem Erbe die Kosten der Bestattung zu decken sind noch Dritte – in Form von Versicherungsleistungen – entsprechende Mittel dem Kostenträger zur Verfügung stellen können. Gleichzeitig muss es unzumutbar sein, dass Hinterbliebene (sprich Erben) oder durch Vertrag Verpflichtete eigene Mittel einsetzen. Dies wäre bei Bedürftigkeit im Sinne des SGB XII der Fall – oder falls durch die Kostenübernahme selbst Hilfebedürftigkeit entstehen würde.

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  4. Wer kann eine Sozialbestattung beantragen?

    Einen Antrag auf Sozialbestattung kann immer der Bestattungspflichtige – also der natürliche oder testamentarische Erbe stellen. Es ist in diesem Zusammenhang hilfreich, persönlich Kontakt zu Sozialämtern aufzunehmen, um den Verfahrensablauf im Beratungsgespräch zu klären.

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